Fünf Stationen eines gelingenden Seminars

Am Ende der Veranstaltung als Trainer, als Redner als Dozent fragt man sich, ob sie denn auch erfolgreich war. Das eigene Erleben ist kein tauglicher Gradmesser: der Körper ist voll mit Adrenalin und die Wahrnehmung ist verzerrt. Trotzdem gibt es ein gutes Messinstrument, nämlich die Körpersprache der Teilnehmenden. Wie die am Ende reagieren, zeigt an, wie es war. Auf eine kurze Formel gebracht sind es zwei Zustände, die den Erfolg anzeigen: die Veranstaltung war erfolgreich, wenn die Teilnehmenden glücklich und angeregt gehen.

Teilnehmer sind glücklich, wenn es entspannt zuging und unterhaltsam. Es wurde gelacht und man hatte Spaß miteinander, also war die Atmosphäre gut. Angeregt sind die Teilnehmer, wenn sie etwas zum Thema, zum Gegenstand der Veranstaltung, mitnehmen können in ihr Leben. [Glück: Wir und drinnen; Anregung: die Welt draußen]

Um am Ende von einer erfolgreichen Teilnahme reden zu können, müssen Trainer wie Teilnehmer fünf Stationen erfolgreich durchlaufen haben, die sie von Station zu Station immer stärker in das Geschehen der Veranstaltung einbeziehen. Es ist die Auseinandersetzung mit ihren [fühlen, denken und handeln Trainer wie Teilnehmer/ entwickeln sich Trainer wie Teilnehmer in fünf Stufen des Involviertseins oder der Beteiligung]:

  • Erwartungen und Befürchtungen,
  • Bedürfnissen,
  • Zielen,
  • Erfahrungen und Erlebnissen und
  • Transferplänen.

Diese Stationen werden von jedem einzelnen Teilnehmer immer wieder durchlaufen, wie ein Kreis oder eine sich weitende Spirale. Sie laufen dabei keineswegs synchron. Die Teilnehmer sind nicht alle zur gleichen Zeit an der gleichen Station. Jede und jeder kann gerade seine ganz eigene Station durchlaufen, und die Nachbarin am Tisch ist gerade vielleicht bei einer völlig anderen. Allerdings es gibt eine Tendenz, wie sich die ganze Gruppe bewegt. Die große Bewegung zum Ziel zu führen und den vielen kleinen Bewegungen ihren Platz zu lassen und ihren Ausdruck zu ermöglich, das ist Traineraufgabe.

Erwartungen und Befürchtungen

Sie werden in die Veranstaltung mitgebracht. Alle Teilnehmer haben Erwartungen, selbst dann, wenn sie angeben, keine zu haben und sich überraschen lassen zu wollen. Die Erwartungen liegen auf der Lauer, sie wollen bestätigt oder mit exzellentem Ersatz enttäuscht werden. Sie pendeln zwischen freudigen Erwartungen und ihrem Gegenteil – den blanken Befürchtungen. Befürchtungen sind nicht nur die schwarzen Erwartungen, mit denen jemand in der Veranstaltung sitzt. Sie gewinnen ein Eigenleben und treiben ihr Unwesen. Dabei werden sie nur selten direkt angesprochen. Am besten für sie ist, nicht erwähnt und beachtet zu werden – sie werden bloß gehegt. Die Hege aber macht Teilnehmer mit Befürchtungen passiv. Haben Erwartungen keine Chance enttäuscht zu werden, wird den Befürchtungen nicht durch entgegengesetztes Erleben begegnet, dann drehen sie sich im Kreis und dann wird es schwer für Trainer und Teilnehmer.

Bedürfnisse

In der Veranstaltung kommen bei allen Anwesenden Bedürfnisse zum Vorschein. Nehmen wir die bekannte Pyramide der Bedürfnisse, dann ist jede Stufe vertreten. Die Impulse, Bedürfnisse zu befriedigen, lassen sich natürlich zum Teil unterdrücken und nicht selten hat sogar der Trainer seinen Anteil daran („Wir machen bitte das Thema bis zur Pause jetzt noch fertig“). Manchmal mag die Impulsunterdrückung sogar gerechtfertigt sein oder scheinen. Wird zu viel unterdrückt, gerät die ganze Veranstaltung auf eine andere Ebene und wird schnell zu einem Machtkampf.

Ziele

Ziele und die Motive, sie zu erreichen, können in die Veranstaltung mitgebracht werden, sie können sich dort erst entwickeln oder sie verändern sich im Laufe der Veranstaltung. Ziele ohne Motive sind wertlos, Motive ohne Ziele sind wirkungslos. Das Engagement des Trainers ist einer der stärksten Faktoren, Teilnehmer für ihre eigenen Ziele in der Veranstaltung zu motivieren. Von außen kann das Engagement des Trainers wie ein eine Veranschaulichung betrachtet werden, die zeigt, wie Motive zu Zielen werden.

Erlebnisse und Erfahrungen:

Die Erwartungen, die Bedürfnisse und die Ziele werden der Realität der Veranstaltung ausgesetzt. Wie sie dann selbst Realität werden, wie des dem Teilnehmer damit geht, wie er sich damit hält, das wird zu Erfahrungen. Die Erlebnisse werden zu Bildern und Geschichten, die weiter bestehen können und in denen die Wirkung der Zusammenarbeit sich fortsetzt. Was mitgenommen wird aus der Veranstaltung für die Fragestellungen draußen, erhält seine Färbung von der Bildern und Geschichten. Bilder zu erzeugen und Geschichten zu erzählen sind die zentralen Aufgaben des Trainers.

Transfer

Teilnehmer erleben das Thema der Veranstaltung oft als ein „Drinnen“ und ein „Draußen“. Ein Vorgehen, eine Technik, irgendetwas Umsetzbares mag sich in der Veranstaltung gut anhören, aber die bange Frage taucht immer wieder auf, wie es in der Realität, im echten Leben damit zugehe. Der Trainer baut keine goldenen Brücken, aber er unterstützt bei der Konstruktion, sie selbst zu bauen.

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