Moderation einmal (etwas) anders

Gestern moderierte ich eine neue Veranstaltungsform – eine Kombination von Podiumsdiskussion und Großgruppenmoderation. Die besondere Herausforderung lag in den knappen Bedingungen: es sollte ein Grußwort geben, ein Podiumsgespräch von dreißig Minuten Länge mit insgesamt sechs Gästen, eine Aktivität von ca. 80 Gästen und ein abschließendes Plenum. Dazu gab es im Foyer noch Informationstische von Beratungsinstitutionen, die irgendwie einzubeziehen waren. Für das ganze Paket waren zwei Stunden vorgesehen. Ziemlich wenig Zeit, es sei denn man verbreitet Hektik und zieht die Punkte ohne Rücksicht auf die Interessen von Gästen und Teilnehmern einfach durch.

Die Veranstaltung war die inzwischen fünfte Beratungsmesse der IHK Nürnberg und des Zentrums Bayern Familie und Soziales zum Thema Inklusion. Der Schwerpunkt waren jetzt Menschen mit psychischen Behinderungen in der Normalität des Alltags.

Natürlich fragt man sich zuerst, warum wir uns überhaupt zu einem so abenteuerlichen Ablauf entschlossen haben. Dafür gab es zwei Gründe: viele Besucher kannten das bisherige Format und auch Formate nutzen sich ab: Podiumsdiskussion, etwas Zuhörerbeteiligung, Besuch der Info-Stände – so etwas wird schnell vertraut. Der andere Grund war der Wunsch, die Zuhörer einzubinden. Mehr noch als ein Wunsch, war es die Notwendigkeit. Je mehr Menschen beteiligt sind und mitreden, desto besser ist es, desto mehr kommt an und bleibt hängen.

80 Menschen kann man aber nicht miteinander ins Gespräch bringen. Das ist eine alte Weisheit, sonst gäbe es keine Methoden wir Open Space oder das inzwischen schon manchmal gefürchtete World Café.

Wie gingen wir vor? Nach dem Grußwort führte ich kurz in die Veranstaltung ein, gab einen Rückblick und wies auf die veränderte Methode hin: wir hatten im Veranstaltungsraum Bistro- und andere Tische aufgestellt und mit etwas Schreibmaterial bestückt. Zugleich hatten wir die Podiumsgäste gebeten, an den Tisch „Patinnen“ und „Paten“ zu sein, um die Diskussion in Gang zu bringen, etwas zu strukturieren und vor allem Notizen für die spätere Plenumsrunde zu machen. Auf den Tischen lagen Blätter, auf denen die Methode noch einmal beschrieben wurde und auf denen sich einige „diskussionsleitende Fragen“ fanden.

In der Podiumsdiskussion kamen die Patinnen und Paten zu Wort und wurden dadurch den Gästen bekannt. Die Phase des Übergangs, nämlich die sitzenden Gäste auf die Beine und an die Tische zu bringen, war der erste kritische Punkt. Er gelang durch eine freundliche Einladung mit etwas Druck. Nach ca. zwei Minuten standen fast alle an den Tischen und kamen überraschend schnell miteinander ins Gespräch. Das Prinzip der Tischpaten bewährte sich gut, das zeigte ein Blick auf den Fluss der Diskussion. Der zweite kritische Punkt war der Übergang zurück von den Tischgruppen zum Plenum. Nach dreißig Minuten bat ich die Gäste, Platz zu nehmen. Es kam wieder für zwei Minuten zu einem ziemlichen Gewusel, das wir nutzen, die Diskussionsnotizen auf Pinnwände vor dem Publikum zu heften.

Abschließend nahm ich mir noch einige der angepinnten Notizen vor, problematisierte sie etwas, stellte mich an manchen Stellen fragend und bat dann immer jemanden aus der Gruppe, etwas zu meiner ausgewählten Notiz zu sagen. Das ergab dann so zirka acht bis zehn Wortmeldungen.

Nach exakt zwei Stunden war die Veranstaltung planmäßig vorüber. Es hatte Aktivität ohne Hektik gegeben, die Gäste waren an den Diskussionen beteiligt und es kam zu einem intensiven Informationsaustausch. Ein insgesamt ausbaufähiges Format.

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